Was ihr schon immer über KI wissen wolltet. Oder solltet ;)

    Kurze Audio-Impulse von Carsten Rossi zu KI, Kreativität und moderner Unternehmenskommunikation – direkt aus der Praxis.

    17. Dezember 2025

    RSL - "Really Simple Licensing" gegen KI Raubritter

    Transkript

    Seit Jahren wird darüber gestritten, ob KI-Systeme sich einfach am offenen Web bedienen dürfen. Texte, Artikel, Bilder, Wissen – alles wird eingesammelt, verarbeitet und neu ausgespielt. Oft ohne Rückfrage. Oft ohne Vergütung. Viele nennen das Innovation. Andere nennen es schlicht: Raubrittertum.

    Jetzt gibt es zumindest einen ernstzunehmenden Versuch, hier Ordnung reinzubringen: Really Simple Licensing 1.0, kurz RSL. Der Name soll Programm sein. RSL soll regeln, wie KI-Unternehmen Inhalte von Verlagen und anderen Inhalteerstellern nutzen dürfen – und unter welchen Bedingungen. Dazu gehören ausdrücklich auch Lizenzvereinbarungen.

    Technisch ist das Ganze erstaunlich bodenständig. RSL ist ein offener Web-Standard, maschinenlesbar, transparent und aufgebaut auf bekannten Mechanismen wie XML und RSS. Also nichts völlig Neues, sondern eine Weiterentwicklung dessen, was das Web seit Jahren kennt.

    Der Unterschied zur bisherigen Praxis ist allerdings erheblich. Die robots-Datei – die zudem oft genug ignoriert wird – kann nur sehr grob sagen: ja oder nein. Indexieren erlaubt oder verboten. RSL geht deutlich weiter. Es soll eine universelle Beschreibung für Inhaltsrechte und Lizenzbedingungen schaffen.

    Webseitenbetreiber können damit festlegen, dass Suchmaschinen Inhalte nutzen dürfen, KI-Suchanwendungen aber nicht. Oder dass Inhalte gelesen werden dürfen, für das Training von KI-Modellen jedoch nur gegen Geld oder andere Gegenleistungen.

    Unterstützt wird der Standard bereits von Organisationen wie Cloudflare, Akamai, Creative Commons und dem Verband der Online-Werbebranche. Mehr als 1.500 Medienunternehmen sollen RSL bereits befürworten.

    Ob RSL am Ende wirklich wirkt, hängt von der finalen Akzeptanz ab. Chatbots müssen den Standard respektieren. Crawler müssen ihn auslesen. Und Publisher müssen ihn aktiv einsetzen. Aber: Es ist immerhin ein Anfang.

    Zum ersten Mal gibt es einen Versuch, das Verhältnis zwischen Content-Erstellern und KI-Systemen nicht über Gerichte oder bilaterale Verträge, sondern über einen gemeinsamen technischen Standard zu regeln. Ob das die Raubritter dauerhaft zähmt, wird sich zeigen. Aber klar ist: Das offene Internet braucht Regeln, wenn es im KI-Zeitalter bestehen will.

    Meine Lieben, habt einen schönen Tag – und freut euch immer auf morgen.

    18. November 2025

    Marvin spricht (aka: KI und Voice Chat)

    Transkript

    Wir reden alle über Prompts und über Chatfenster, die jetzt plötzlich intelligent geworden sind. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass das nur eine Übergangsphase ist. Die eigentliche Zukunft liegt nicht im Tippen – sie liegt im Sprechen.

    Audio-Konversationen beseitigen viel effektiver fast alles, was Menschen im Internet oder Intranet heute frustriert: Unpersönlichkeit, Irrelevanz, Komplexität, Informationsflut und Fragmentierung. Ein Gespräch löst genau das, was die Systeme bisher nicht konnten: Es ist dialogisch, kontextuell, einfach, fokussiert – und es führt alles zusammen.

    Wir haben dafür zum Beispiel unseren Marvin als Beta-Version gebaut. Marvin ist der sprachbasierte Zugang zu unserer eigenen KI-Umgebung AssistantOS – ein Voicebot, der Antworten gibt, Rückfragen stellt, Dinge ausführt und sich dabei an Persona, Prompt und Kontext jedes Gesprächs anpasst.

    Und das Spannende ist nicht die Technologie dahinter. Das Spannende ist: Marvin verändert, wie Menschen mit Systemen interagieren. Plötzlich muss niemand mehr wissen, wo Informationen liegen, niemand muss eine Navigation verstehen, niemand muss Menüs öffnen oder Begriffe erraten. Sie können einfach sprechen – so wie wir Menschen kommunizieren, seit es uns gibt. Und das System hört zu, versteht und antwortet.

    Ich bin überzeugt: Voice-Conversations auf Basis von generativer KI werden die wichtigste Veränderung in der Unternehmenskommunikation seit Social Media. Weil Sprache Barrieren abbaut. Weil Sprache Nähe schafft. Weil Sprache die Komplexität auflöst.

    Meine Lieben: Habt einen schönen Tag – und freut euch IMMER AUF MORGEN.

    27. Oktober 2025

    Was Minecraft mit KI zu tun hat (aka: Weltwissen)

    Transkript

    Ich bin immer irgendwo zwischen Nerd und neugierig. Deshalb habe ich am Wochenende mal etwas ausprobiert: Ich habe einen KI-basierten Minecraft-Bot namens Freddi gebaut. Er kann auf mein Geheiß hin Dinge abbauen, Werkzeuge craften, Häuser errichten, Monster bekämpfen – und das alles mit Hilfe lokaler künstlicher Intelligenz.

    Beim Testen und Optimieren wurde mir noch etwas klarer, was ich auch euch mitgeben will: wie entscheidend Weltwissen ist – also die Kenntnis über das Umfeld, in dem man agiert. Denn Freddi kann nur handeln, wenn er versteht, was eine Axt ist, wofür man sie braucht, wie man Holz bekommt und dass man ohne Holz auch keine Werkbank bauen kann. Und wenn er nicht weiß, dass er graben kann, kommt er auch aus keinem Loch.

    Das klingt banal, aber genau da liegt der Kern: KI braucht Kontext, um sinnvoll zu agieren. Ohne Wissen über Werkzeuge, Materialien und Spielregeln läuft der Bot gegen die Wand oder gräbt sich fest. Und in der realen Welt ist das ganz ähnlich.

    Wenn Künstliche Intelligenz in der Unternehmenskommunikation eingesetzt wird, dann muss sie auch hier die Welt verstehen, in der sie arbeitet. Das heißt, sie braucht Kontext über die Marke, das Unternehmen, die Sprache usw. Und den können nur wir ihr wirklich geben. Zum Beispiel durch System Prompts, die ihr erklären, wer sie ist, für wen sie spricht und welchen Stil sie pflegen soll – ob nüchtern und präzise wie ein Pressesprecher oder empathisch und locker wie ein Social Media Team.

    Sie braucht Zugang zu den richtigen Datenbanken, in denen Unternehmenswissen steckt – Produkte, Projekte, Namen, Abkürzungen, interne Begriffe. Denn ohne diese Quellen kann sie keine echten Bezüge herstellen. Außerdem braucht sie auch Weltwissen im kleinen Maßstab, zum Beispiel über Tonalität, Zielgruppen oder Unternehmenskultur.

    Das kann man durch Wissenssammlungen oder sogar kleine Brand Memories abbilden, die dem System zeigen, wie eine Organisation denkt und spricht. Erst dann wird aus Bot-Kommunikation echte Unternehmenskommunikation. Erst dann wird aus einem Modell ein Assistent.

    Das ist der große Unterschied zwischen Künstliche Intelligenz „haben" und „anwenden". Ein LLM kennt Milliarden Fakten, aber erst Kontext macht daraus Bedeutung. Darum ist die wichtigste Aufgabe heute, künstliche Intelligenz einzubetten in eine Welt, die sie begreifen kann – egal ob das Minecraft ist oder ein globales Unternehmen.

    Meine Lieben, habt einen schönen Tag und freut euch immer auf morgen.