RSL - "Really Simple Licensing" gegen KI Raubritter
Seit Jahren wird darüber gestritten, ob KI-Systeme sich einfach am offenen Web bedienen dürfen. Texte, Artikel, Bilder, Wissen – alles wird eingesammelt, verarbeitet und neu ausgespielt. Oft ohne Rückfrage. Oft ohne Vergütung. Viele nennen das Innovation. Andere nennen es schlicht: Raubrittertum.
Jetzt gibt es zumindest einen ernstzunehmenden Versuch, hier Ordnung reinzubringen: Really Simple Licensing 1.0, kurz RSL. Der Name soll Programm sein. RSL soll regeln, wie KI-Unternehmen Inhalte von Verlagen und anderen Inhalteerstellern nutzen dürfen – und unter welchen Bedingungen. Dazu gehören ausdrücklich auch Lizenzvereinbarungen.
Technisch ist das Ganze erstaunlich bodenständig. RSL ist ein offener Web-Standard, maschinenlesbar, transparent und aufgebaut auf bekannten Mechanismen wie XML und RSS. Also nichts völlig Neues, sondern eine Weiterentwicklung dessen, was das Web seit Jahren kennt.
Der Unterschied zur bisherigen Praxis ist allerdings erheblich. Die robots-Datei – die zudem oft genug ignoriert wird – kann nur sehr grob sagen: ja oder nein. Indexieren erlaubt oder verboten. RSL geht deutlich weiter. Es soll eine universelle Beschreibung für Inhaltsrechte und Lizenzbedingungen schaffen.
Webseitenbetreiber können damit festlegen, dass Suchmaschinen Inhalte nutzen dürfen, KI-Suchanwendungen aber nicht. Oder dass Inhalte gelesen werden dürfen, für das Training von KI-Modellen jedoch nur gegen Geld oder andere Gegenleistungen.
Unterstützt wird der Standard bereits von Organisationen wie Cloudflare, Akamai, Creative Commons und dem Verband der Online-Werbebranche. Mehr als 1.500 Medienunternehmen sollen RSL bereits befürworten.
Ob RSL am Ende wirklich wirkt, hängt von der finalen Akzeptanz ab. Chatbots müssen den Standard respektieren. Crawler müssen ihn auslesen. Und Publisher müssen ihn aktiv einsetzen. Aber: Es ist immerhin ein Anfang.
Zum ersten Mal gibt es einen Versuch, das Verhältnis zwischen Content-Erstellern und KI-Systemen nicht über Gerichte oder bilaterale Verträge, sondern über einen gemeinsamen technischen Standard zu regeln. Ob das die Raubritter dauerhaft zähmt, wird sich zeigen. Aber klar ist: Das offene Internet braucht Regeln, wenn es im KI-Zeitalter bestehen will.
Meine Lieben, habt einen schönen Tag – und freut euch immer auf morgen.